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Wie man den Blick in die Zukunft richtet, ohne die Tradition zu vergessen

Geschrieben von Marion Jonkman, Leitung Marketing & Kommunikation | 24.05.2023 16:13:04

In unserem Familienbetrieb - aktuell in der Hand der vierten Generation - steht Blech im Mittelpunkt aller Arbeiten und entsprechend auch im Mittelpunkt meines Lebens. Mit dem speziellen Geruch und den Geräuschen des Schweißgerätes bin ich groß geworden. Die aktuell 30 Kollegen entwickeln und fertigen hochwertige Metallteile und bieten den passenden Service für unsere Kunden. Neben traditionellen Spenglerarbeiten werden in unserem Betrieb komplette Fassaden inklusive Unterkonstruktionen und andere Metallproduktionen entwickelt und gefertigt.

Schweißarbeiten sind nicht das einzige, womit wir es in unserem Arbeitsalltag zu tun haben. Konstruktion und Produktion sind deutlich komplexer geworden. Wir fertigen sehr viele ähnliche, aber nicht gleiche Blechteile, was den Einsatz von Maschinen bedingt. Denn diese vielfältigen Blechteile müssen schnell und effizient erstellt werden. Dazu ist sehr viel Vorarbeit nötig, gepaart mit Erfahrung und einer sorgfältigen Planung, damit wir unseren Kunden pünktlich zum vereinbarten Termin fehlerfreie Ergebnisse liefern können.

Aufträge im Fassadenbau bescheren uns immer den gleichen Ablauf. Egal ob es sich um eine einfache Metallfassade oder komplexe Gebäudehülle aus vielen unterschiedlichen Blechkassetten handelt. Wir bekommen die 2D-Daten vom Architekten, planen die Fassade, holen uns die Genehmigungsplanung ein, implementieren alle gewünschten Änderungen - teilweise auch mehrmals - und erstellen die Zeichnungen oder Daten für die Produktion.

Noch vor ein paar Monaten haben wir innerhalb dieses Prozesses lediglich mit 2D-Skizzen und Teil-Handskizzen gearbeitet. Diese Skizzen wurden auch zu weiteren Verarbeitung verwendet und dann einzeln an der Maschine erfasst, sodass daraus die Blechzuschnitte generiert werden konnten. Ich wusste bis dato nicht, wieviel Zeit diese Arbeitsweise immer verschlingt.

„Diese Arbeitsweise“ stand demzufolge also nicht auf meiner ToDo-Liste, um unser Familienunternehmen zu optimieren, auch wenn mich die Erfolgsgeschichte der Firma mit der Anzahl an Aufträgen grundsätzlich positiv gestimmt in die Zukunft schauen ließ. Ich machte mir Sorgen, keine lukrativen Aufträge mehr zu gewinnen, weil wir unsere Spengler-Arbeiten nicht mit BIM-konformen Daten liefern können. Wenn wir die gestiegenen Erwartungen unserer Kunden nicht mehr erfüllen, können wir eine noch so gute Qualität liefern - wir verlieren alle diese Aufträge.

Mit dieser Befürchtung ist mir immer mehr bewusst geworden, dass die traditionelle Fertigung von Blechteilen zunehmend an Bedeutung verliert, denn die alleinige 2D-Konstruktion entspricht nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik. Aber was tun in einem Familienunternehmen, das auf Tradition setzt und mit dieser Einstellung seit mehreren Jahrzehnten erfolgreich ist? Meine langjährigen Mitarbeiter sind ein eingespieltes Team, das seine Arbeitsabläufe genauestens kennt. Zudem stimmt die Qualität unserer Produkte. Kann eine Digitalisierung in unserem Arbeitsalltag wirklich den erhofften Nutzen bringen? Fühlt sich eine Umstellung nicht wie ein Marathonlauf an - mit erschöpften, demotivierten Mitarbeitern am Schluss des Tages? Solche und ähnliche Gedanken raubten mir einige Stunden Schlaf. Doch was ist die richtige Entscheidung?

Eine gute Entscheidung kann man erst dann treffen, wenn man sich mit den gegebenen Möglichkeiten vertraut macht. Also habe ich mich bei meinen Wettbewerbern und Partnern erkundigt und zunächst an Veranstaltungen der Handwerkskammer und an Messen zum Thema „Bau“ und „Digitalisierung“ teilgenommen. Aufgrund dieser Erfahrungen und Eindrücke entstand bei mir der Wunsch, eine flexible und mitwachsende 3D-Software zu finden, die mir hilft, meine erfolgreich bestehenden Prozesse zu verbessern. Ein CAD-Werkzeug, das mich nicht zu einer gänzlich neuen Arbeitsweise zwingt, aber mich trotzdem mit BIM-fähigen Daten weiterhin wettbewerbsfähig bleiben lässt.

Während einer individuellen Beratung durch einen Software-Entwickler, der in unserer Nähe eine Niederlassung betreut, formulierten wir Ziele, die wir durch eine Umstellung erreichen wollten:

  • Blechteile sollen schnell und effizient realisiert werden können
  • Die Vielfalt der Teile muss steuerbar sein (immens wichtig für uns)
  • Automatismen sollen regelmäßige Prozessen unterstützen
  • Eine Software soll die Arbeit von der Planung bis zur Fertigung ermöglichen
  • Marktanforderungen können mit modularen Funktionen in der Software abgedeckt werden
  • Meine Mitarbeiter werden geschult und können dann schnell Projekte realisieren
  • 2D-3D-Fähigkeit zur Nutzung von Altdaten muss gegeben sein

Die professionelle, persönliche Beratung und die Aussicht, dass zahlreiche Verbesserungen auf einmal eintreten, erstickten sämtliche meiner Bedenken im Keim. Vorfreude überwiegte. Nur die möglichen Ängste meiner Mitarbeiter vor neuen Technologien und damit verbundenen Abläufen erfüllten mich etwas mit Sorge. Um sich auf eine neue Arbeitsweise einzulassen, bedarf es guter Schulungen mit direktem Anwenderbezug. Ob wir dementsprechend vorbereitet sein würden?

Letztlich entschlossen wir uns für die Lösung der ISD Group: die Blech Suite Premium & Elementverlegung. Wir waren auf einer Messe zufällig mit einem Mitarbeiter des Software-Herstellers ins Gespräch gekommen, der uns von HiCAD einen positiven ersten Eindruck vermittelte. Bei einem späteren Termin in unserem Unternehmen wurde die Blech-Lösung der ISD dann nochmal genauer unter die Lupe genommen.

Das Modul der Elementverlegung beindruckte mich am meisten. Es ermöglicht dem Anwender mit Hilfe einer Rasterfunktion, Bleche passend auf die Fassade zu verteilen, zu ändern und anzupassen. Danach sind mir die allgemeinen Blechfunktionen aufgefallen, die es ermöglichen, mit einer bestehenden Bibliothek zu arbeiten oder diese auch mit eigenen individuellen Kassetten zu erweitern.

Die Funktion, mit der man Teile zueinander in Beziehung setzen kann, war mir schon aus anderen CAD-Programmen geläufig. Die Einbindung von Parametrik, Constraint Management und flexibler Modellierung in einem Projekt ist jedoch besonders. Änderungen gehören nun mal zum Alltag jedes Konstrukteurs - darunter auch ganz spontane Optimierungswünsche des Kunden und erst recht bei Konstruktionen mit großer Variantenvielfalt. Eine CAD-Lösung, die auch in einer späteren Phase des Projektes noch eine Parametrisierung erlaubt, ist Gold wert.

Ebenso Gold wert ist die Verwendung von referenzierten Zeichnungen. Dadurch wird jede Bearbeitung auf einem identischen Teil automatisch in der aktuellen Zeichnung wiedergegeben. Auch kann man den Aufwand für weitere Arbeitsprozesse minimieren und die Fehlerquote verringern, indem man Werkstattzeichnungen - auch solche mit unterschiedlichen Layouts - automatisch erstellt.

Die Ausgabe der Daten für die Maschine als DXF oder STEP trägt ebenfalls zur Optimierung bei, da deutlich mehr Arbeitsschritte in anderen Abteilungen gespart werden können. Mehr, als wir anfänglich vermutet haben.

Mein Fazit zu HiCAD fällt erwartungsgemäß positiv aus. Trotz Digitalisierung unserer Prozesse bleibt unsere Tradition erhalten. Unser Familienunternehmen plant und produziert komplette Fassaden inkl. Unterkonstruktion, Fensterzargen, Rinnensammelkasten und vieles mehr mit der oben genannten 3D-Software und den damit verquickten Automatismen, branchenspezifischen Funktionen und verschiedenen Voreinstellungen, die wir partnerschaftlich mit der ISD Group entwickelt haben. Mit der Lösung der ISD generieren wir digitale Daten sowie teilebezogene Informationen, und über IFC können die Daten anschließend dem BIM-Manager zur Verfügung gestellt werden - zeitgemäß und kundenfreundlich.

Meine Bedenken hinsichtlich der Einführung haben sich im Nachhinein allesamt als überflüssig erwiesen. Denn ausnahmslos alle Schulungen waren genauestens auf die jeweiligen Branchen zugeschnitten und haben es uns ermöglicht, erste Projekte zügig in Angriff zu nehmen und abzuschließen. Danach haben wir die Software-Funktionen weiter auf unsere Bedürfnisse anpassen können - mithilfe firmenspezifischer Schulungen.

Auch von den Mitarbeitern wurde HiCAD sehr gut angenommen, vor allem, weil Terminologien wie Teilevariable, Referenzieren oder Parametrik gut erklärt waren. Die Anwender sahen einen direkten Realitätsbezug und waren somit gleich viel offener, sich auf eine andere Arbeitsweise einzulassen.

Neben meinen ersten Zielen haben sich im Laufe der Beschäftigung mit dieser speziellen CAD-Software weitere Ziele ergeben. Sogar diese konnten wir noch während der Einführungsphase als weitere Verbesserungsmöglichkeiten in ungeplanten Bereichen umsetzen.

Von meiner Seite würde ich sagen, haben wir den Spagat zwischen Tradition und Moderne geschafft, ohne uns komplett zu verbiegen.

Weitere Erfolgsgeschichten von ISD-Kunden, wie zum Beispiel der Paul Gisler AG, finden Sie im Referenzbericht „Neue Maßstäbe in der Metallkonstruktion dank BIM-konformer 3D-Daten“.